Vermeidung einer Liquiditätskrise ein Beitrag von CFgO und Startupfinanzen.de

Wenn sich dein Unternehmen in einer strategischen Krise (Underperfomance ggü. Wettbewerber) oder Ertragskrise (z.B. schrumpfende EK-Quote) befindet ist es absolut notwendig, dass eine Krisenursachenanalyse durchgeführt wird. Du solltest mit größter Sorgfalt überprüfen was der Auslöser für die gegenwärtige Situation ist. Häufig ist dies nicht besonders einfach, da es meistens gleich mehrere Auslöser sind.

Risiken erkennen

Hierzu empfiehlt sich die Implementierung eines Risikofrühwarnsystems oder auch Risikomanagementsystem genannt. Um ein solches System anzulegen, gibt es die Möglichkeit einen sorgfältigen und gewissenhaften Liquiditätsplan im Idealfall auf Wochen- oder Tagesbasis zu erstellen. Somit kann nicht nur die Fortführung des Unternehmens gewissenhaft geplant werden, sondern es lassen sich durch Soll und Ist Analysen schnell Auslöser ausfindig machen die zur Krise beigetragen haben.

Unter folgenden Voraussetzungen ist dein Unternehmen Sanierungsfähig laut IDW S 6 (Anforderungen an Sanierungskonzepte):

  • Fortführungsfähigkeit ist gegeben, wenn für das laufende und das darauffolgende Geschäftsjahr eine Zahlungsunfähigkeit nach §17 InsO oder eine Überschuldung nach §19 InsO durch Sanierungsmaßnahmen abgewendet oder behoben werden kann.
  • Die Geschäftsleitung ist willens und fähig, das Unternehmen wieder zur Wettbewerbs- und Renditefähigkeit weiterzuentwickeln.

Finanzstatus prüfen

Ob eine Zahlungsunfähigkeit nach §17 InsO vorliegt oder nicht, erfolgt auf Grundlage des aktuellen Finanzstatus und Finanzplans der auf diesem aufbaut ist. Sollte der aktuelle Finanzstatus aufzeigen, dass sämtliche fällige Verbindlichkeiten gedeckt werden können, liegt keine Zahlungsunfähigkeit vor.

Die Zahlungsunfähigkeit kann wie folgt überprüft werden:

Fall 1:

Ist die aktuelle Liquiditätslücke größer oder gleich 10% (Liquide Mittel = 300 – fällige Verbindlichkeiten 400 = -100 Unterdeckung) gilt die Gesellschaft noch immer grundsätzlich als zahlungsfähig, insofern die Liquiditätslücke innerhalb der nächsten 3 Wochen geschlossen werden kann. Wenn diese innerhalb der nächsten 3 Wochen geschlossen werden kann befindet sich die Gesellschaft in einer Zahlungsstockung. Sollte die Gesellschaft es nicht schaffen ist diese zahlungsunfähig.

Fall 2:

Ist die aktuelle Liquiditätslücke kleiner als 10% (Liquide Mittel = 300 – fällige Verbindlichkeiten 305 = -5 Unterdeckung) gilt die Gesellschaft noch immer grundsätzlich als zahlungsfähig. Sollte absehbar sein, dass die Liquiditätslücke sich bald vergrößert also 10% oder mehr erreicht ist die Gesellschaft ebenfalls zahlungsunfähig.

Eine Ausnahme für beide Fälle gilt dann, wenn die Gesellschaft die Liquiditätslücke bald nahezu vollständig schließen kann.

Um einer Insolvenz vorzubeugen gibt es leider nur einen Weg – setze dich hart mit der Liquidität deines Unternehmens auseinander.

Aus unserer Sicht gibt es hierzu – immerhin – fünf Bereiche, die du unbedingt beleuchten und schnellstmöglich optimieren solltest.

 

Erstelle einen Liquiditätsplan

Im Rahmen einer jeden Krise und in dieser besonders, ist es wichtig „auf Sicht“ zu fahren. Das bedeutet, dass du auf Wochenbasis die Zuflüsse und die Abflüsse liquider Mittel planen solltest. Das Resultat einer jeden geplanten Kalenderwoche ist dann ein geplanter Cash-Bestand. Es empfiehlt sich hier direkt einen Planungszyklus von 13 Wochen fortlaufend einzuhalten, da dieser insolvenzrechtlich vorausgesetzt wird. Zusätzlich ist ein Liquiditätsplan mehr als sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig, für die Beantragung einer Bürgschaft und eines Darlehens bei der Bank. Du bist also an mehreren Fronten gut vorbereitet, wenn du eine Liquiditätsplanung etablierst.

 

Manage den Cash-Inflow

 

Zahlungsmittel gehen deinem Unternehmen in der Regel durch verkaufte und in Rechnung gestellte Waren oder Dienstleistungen zu. Es ist also in der aktuellen Krise enorm wichtig, diesen Prozess sehr eng zu begleiten und zu steuern.

Rechnungen stellen

Zunächst einmal solltest du zusehen, dass alle Rechnungen gestellt sind. Denn nur gestellte Rechnungen führen auch zu einem (Teil-) Zahlungsanspruch im Falle von Insolvenzen deiner Kunden. Leider ist das zurzeit nicht auszuschließen und somit eine erste Maßnahme. Rechnungen sollten, wenn möglich, in der aktuellen Situation etwas kürzere Zahlungsziele als gewöhnlich haben. Das bedeutet nicht, die Fälligkeit auf zwei Werktage zu verkürzen -das wäre zu schön- sondern von den gewohnten 14 bis 30 Tagen auf 7 bis 10 Tage zu switchen.

Skonti

Ein weiteres probates Mittel ist es, Kunden durch Skonti einen Anreiz zu geben, früher zu zahlen. Damit gewinnst du wertvolle Cash-Zuflüsse gegen einen überschaubaren Abschlag (üblich sind 1-2% der Rechnungssumme).

Mahnen

Nachdem Rechnungen gestellt wurden, gilt es nun am Ball zu bleiben und die Rechnungen bei Überfälligkeit rechtzeitig zu mahnen. Erinnere deine Kunden höflich daran ihren Zahlungsverpflichtungen doch bitte nachzukommen. Denk aber auch dran, dass es auf der anderen Seite der Rechnung zurzeit auch Liquiditätsengpässe geben kann. Sprecht miteinander und findet eine Lösung.

Factoring

Zudem ist es generell sehr interessant, das Thema des Forderungsverkaufs in Erwägung zu ziehen. Mittels Factoring kann man den Cash-Eingang ebenfalls effektiv steuern.

 

Manage den Cash-Outflow

 

Neben dem Sammeln des Geldes im Bereich Debitoren, ist es ebenso notwendig Cash im Unternehmen zu halten.

Das bedeutet einerseits, dass du Rechnungen nicht vor dem ausgewiesenen Fälligkeitsdatum zahlen solltest. Du kennst das bestimmt aus deinem Alltag: Alle 14 Tage, meist Donnerstag abends oder freitags, ist Zahllauf. Du sammelst die Rechnungen, die eingegangen sind und bezahlst diese an einem Abend. Da ist dann aber auch die Rechnung dabei, die erst gestern eingegangen und noch 30 Tage Zeit hatte. Du merkst, mit diesem kurzen Beispiel möchten wir illustrieren, dass Liquiditätspotenziale liegen gelassen werden. Schaffe dir also ein System, mit dem du Rechnungen nur dann zahlst, wenn du es musst.

Das leitet dann auch zu einem weiteren Thema über: Wenn dir ein Kunde Skonti anbietet (so wie du das nach dem vorherigen Abschnitt ggf. auch machst) prüfe natürlich, ob die Einsparungen relevant sind, wenn du Skonti ziehst.

 

Fördermaßnahmen nutzen

 

Die Bundesregierung hat einen Maßnahmenkatalog aufgelegt, der Unternehmen vom Einzelkämpfer bin hin zum Konzern helfen soll, diese völlig unverschuldete wirtschaftliche Krise abzufangen und damit das Fortbestehen der Unternehmen und somit auch die Arbeitsplätze zu sichern.

Aussagen zu Themen wie Soforthilfe, Kurzarbeit, Stundungs- und Herabsetzungsanträge und KfW-Kredite hast du vermutlich schon ausreichend gelesen und geprüft. Wenn nicht, verzeih bitte, dass an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen wird. Es würde einen neuen Beitrag bedeuten.

Achtung bei Hilfsmitteln

An dieser Stelle ist es uns allerdings wichtig darauf hinzuweisen, dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen in der Regel und zum jetzigen Zeitpunkt insbesondere eine Verschiebung der liquiditätswirksamen Geschäftsvorfälle in die Zukunft bedeuten. Steuern müssen nur später gezahlt werden, Soforthilfen müssen versteuert werden und Darlehen müssen verzinst und getilgt werden.

Es macht unseres Erachtens nur dann Sinn bspw. Darlehen aufzunehmen, wenn du den Kapitaldienst (Zinsen und Tilgung) nach der Krise und unter normalen Bedingungen, sofern sie wiederkommen, zusätzlich zu deinem Betriebsaufwand mit Stand Februar 2020 (als noch alles normal lief) bedienen kannst. Ein zu Beginn des Jahres voll ausgelastetes Produktionsunternehmen, ein Restaurant, das keine Kapazitäten für zusätzliche Besucher hat oder ein Friseurbetrieb wird vermutlich die Krise finanziell nicht aufholen und hat dann auch keine zusätzlichen Mittel, um ein Darlehen zu bedienen.

Insbesondere ist es wichtig zu verstehen, dass man zunächst als Gesellschafter / Inhaber persönlich haftet. Sollte das Unternehmen die Krise nicht überstehen, haftet man als Privatperson für die Schulden. Zwar wird aktuell durch die Bürgschaftsbank eine Haftungsfreistellung von 80% angeboten (Stand 25.03.2020), dennoch verbleiben 20% Restschuld konkret bei dir.

Bitte denke daher sehr gründlich nach und / oder lass dich hier gut beraten.

 

Werde kreativ

 

Es ist schon unglaublich. Das bisher so gut laufende Unternehmen wurde durch COVID-19 einfach stillgelegt. Nicht, weil es grundsätzlich nicht laufen würde, sondern weil die Nachfrage wegbleibt. Und das nicht, weil kein Geld da wäre, sondern weil sie häufig nicht kommen dürfen. Und das ist das große Problem für unsere Unternehmen heute. Wie erreiche ich meine Nachfrager und wahrscheinlich später auch Kunden in diesen schweren Zeiten? Hier ist Kreativität gefragt. Gibt es alternative Wege das Geschäft aufrecht zu erhalten oder sogar noch auszubauen? Es ist nicht unmöglich, aber eine große Herausforderung. Das Ganze trifft uns so unerwartet, dass wir gerade nicht mental vorbereitet sind, von unserem mehr oder weniger gut laufenden Geschäftsmodell Abstand zu nehmen.

Aber genau dieses erzwungene Abstandnehmen, das Umdenken und die Tatsache wieder zum Startup werden zu müssen ist die Aufgabe, der wir uns alle stellen müssen. Es ist nun an der Zeit die Ärmel wieder hochzukrempeln, zu überlegen wie das Unternehmen fortbestehen kann, um im Anschluss an die Krise unerschütterlich zu sein. Wenn wir es geschafft haben unsere Unternehmen zu wandeln, sodass auch Corona keine signifikanten Einbrüche verursacht, dann haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Vermutlich sind wir die Gründergeneration, die aus einem unverschuldeten wirtschaftlichen Scherbenhaufen eine digitale und deutlich robustere Unternehmenslandschaft aufbaut und für die uns neuen Umweltfaktoren einer Pandemie gewappnet ist.

Und eines sei zum Schluss gesagt: Kreativität hilft der Liquidität nicht nur in Krisenzeiten.